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Von Wolfgang Bartels

NEU-BAMBERG - "Es ist gut, dass Carmen sich um mich kümmert. Sie macht alles für mich, sorgt sich um mich, geht mit mir spazieren. Ohne Carmen wäre es langweilig." 80 Jahre alt ist Martha Gerber und wohnt noch immer in dem kleinen Neu-Bamberger Häuschen, in dem sie geboren wurde. Doch vor einem Jahr erlitt sie einen Schlaganfall und hätte beinahe ins Pflegeheim gemusst. Dass Martha Gerber zu Hause bleiben konnte, verdankt sie ihrer Betreuerin Carmen Zeiler-Schöbel.

Beruf im Kommen

"Familienentlastender Dienst" nennt sich das Angebot der Fachkraft für Gesundheits- und Sozialdienstleistung, in Neu-Bamberg wird sie einfach nur "Gemeindeschwester" genannt. Früher gab es solche Schwestern in fast jedem Dorf, meist über kirchliche Einrichtungen. Heute ist der Beruf neu im Kommen, auch wenn er freiberuflich und in eigener Verantwortung ausgeübt wird.

In der ersten Zeit nach dem Schlaganfall war Carmen Zeiler-Schöbel fast täglich bei Martha Gerber. Das Wichtigste war, dass sie wieder laufen lernte. Doch für lange Spaziergänge hatte keine der Pflegekräfte Zeit. Die aber bringt die Gemeindeschwester mit. Heute steht der Rollator ungenutzt in der Ecke, Martha Gerber kann wieder selbstständig vor das Haus gehen. "Meine Aufgabe ist nicht die Pflege", erklärt Carmen Zeiler-Schöbel. "Mir geht es vielmehr um den persönlichen Kontakt, um die seelische Begleitung oder auch um die Hilfe bei Arzt- und Behördengängen. Ich bin jemand, der den Klienten in schwierigen Lebenslagen zur Seite steht."

Genau aus diesem Grund hat sie vor anderthalb Jahren ihre feste Anstellung in einem Pflegeheim gekündigt und sich selbstständig gemacht. "Dort ist der persönliche Kontakt immer viel zu kurz gekommen. Ich war frustriert. Und da habe ich mir gesagt: Wenn du eine Chance hast, Menschen zu helfen, damit sie nicht in ein solches Heim gehen müssen, dann machst du auf eigene Faust diese Arbeit im Familienentlastenden Dienst."

Ohne den Einsatz der Gemeindeschwester, davon ist Tochter Silke Schader überzeugt, wäre ihre Mutter nicht so schnell wieder fit geworden: "Sie ist gleich in der Not eingesprungen. Wenn wir sie nicht hätten, wäre die Belastung für die Familie kaum zu schaffen gewesen." Fünf Klienten betreut Carmen Zeiler-Schöbel zurzeit.
Pro Stunde berechnet sie zwischen  25,00 und 27,00 Euro, die entweder privat oder von der Pflegekasse gezahlt werden.

Über die Politik ärgert sich Carmen Zeiler-Schöbel. Die Landesregierung hat mit viel Tam-Tam das Modell "Gemeindeschwester plus" eingeführt, allerdings nur in der Hälfte der Landkreise. Der Kreis Bad Kreuznach geht bei diesem Modellprojekt leer aus. Doch damit hält sich Carmen Zeiler-Schöbel nicht auf. Sie muss zu ihrer nächsten Klientin fahren.